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O Heiland, reiß die Himmel auf
(Evangelisches Gesangbuch Nr. 7)

Dieses schöne Adventslied mit seinen eindrücklichen Bitten und bildhaften Sätzen ist meiner Meinung nach anders ausgerichtet als andere Lieder. Hier geht es nicht um vorbereitendes Tun von Menschen, um den Heiland zu empfangen; wie in „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, oder um frohe Aktivität, wie bei „Ihr lieben Christen, freut euch nun“. Nein, der Heiland selbst wird aufgerufen, etwas zu tun, inständig aufgefordert, gar „die Himmel“ aufzureißen, Tor und Tür vom Himmel abzureißen. Kein Schloß und Riegel soll mehr trennen zwischen seinen Himmeln und uns und der Erde (Strophe 1). Dies ist ein unerhört starkes Bild! Im Tau vom Himmel soll der Heiland ausregnen, wie ein Segen über das ganze Land (2), als der verheißene König.

Die Bitte, die für die Erde Konsequenzen hat, ist in (3) ausgesprochen. Ausschlagen soll die Erde, grün sollen Berge und Täler werden. Und das „Blümlein“ soll aus der Erde hervorkommen, der Heiland. Das ist vergleichbar mit dem Reis (oder der Rose), das (die) aus der Wurzel Jesse (Isai), entspringt (siehe Jesaja 11, 1-16), wie wir im Lied EG 30, Es ist ein Ros entsprungen, singen.

In (4) wird die Hoffnung auf den Trost der ganzen Welt, auf den Tröster, mit dem dreimaligen „komm“ als dringliche Bitte verdeutlicht. Schließlich wird Christus als die klare Sonne, als schöner Stern erwartet (5). Die Finsternis wird mit ihm weichen müssen. Was gibt es Schöneres? In Heinrich Schützens Weihnachtsgeschichte wird das Wort aus Jes. 9.1 „Das Volk, was im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht“, an den Beginn gestellt. Es ist das unerklärliche Licht und die wundersame Hellig-keit, die mit dem Erlöser in unsere Welt gekommen ist und die wir nie ganz erfassen und verstehen werden. Aber freuen können wir uns jedes Jahr erneut, wenn wir auf die Christgeburt zugehen. Das trägt auch über Leid und Not (6), selbst über den „ewigen Tod“ hinweg.

Den Text dieses Adventsliedes verdanken wir nicht irgendwem. Die Angabe des Dichters fehlt im EKG von 1950, dort heißt es nur „Köln 1623“. Doch es war damals schon bekannt, daß die Strophen 1 bis 6 von Friedrich Spee (von Langenfeld) stammen. Wenn man in die Biographie Spees schaut und seinem Wirken als katholischer Theologe und Dichter (1591-1635) nachgeht, wird verständlich, warum er diese inständigen Bitten des Liedes niederschrieb. Ein offener Himmel unter dem Licht, dem Tau, über der grünenden Welt, dem Trost, der Hoffnung eines liebenden Heilands, das war seine Vision. Er wollte eine freie, helle, freundliche, segensreiche Welt und endlich das Ende der grausamen Hexenprozesse, die Abertausenden das Leben gekostet haben. Er wollte eine andere Kirche, die ihren Christus als Heiland der ganzen Welt wieder ernstnahm. Spees Erschütterung über dieses Tun „seiner“ Kirche, führte über eine erst anonym veröffentlichte Anklageschrift zur allmählichen Abschaffung der Hexenprozesse in Deutschland. Das haben wir ihm mit zu verdanken.

Die abschließende Strophe 7, die das große Loblied auf unseren Erlöser singt, ist von einem Kollegen Spees, dem katholischen Pfarrer Johann Andreas Corner (1585-1648), hinzugedichtet. Der Dank an den und das Lob auf den zu uns gekommenen Heiland beschließt das Lied. Das ist Antwort auf die Ankunft, den „Advent“ des Gottessohnes. Unsere Antwort kann auch nur das Einstimmen in das nicht endende Lob sein. Lassen wir uns anstecken von der Vision Friedrich Spees. Durch das Kommen des Heilands haben „die Himmel“ keine verschlossenen Türen mehr. Schlösser, Riegel, Sperren, Barrikaden braucht Christus nicht. Der Schöpfer und Her von Zeit und Ewigkeit bringt uns seine Zukunft, in der wir Ihm danken und Ihn loben können.

Ihr
Jürgen v. Strauwitz